03.09.2014

Kolping-Thementag 2014: Mitbestimmung lehren

Zu einer Diskussion über die Trends, Herausforderungen und Perspektiven bürgerschaftlichen Engagements luden der Kolping Diözesanverband Köln und das Kolping-Bildungswerk am 30. August 2014 in das Kolping-Berufsförderungszentrum in der Kölner Südstadt ein.

Foto von Bettina Weise, Kolping Diözesanverband Köln, 2014

Gemeinsam mit dem Philosophen, Theologen und Menschenrechtsaktivisten Dr. Ruprecht Neudeck, dem Oberbürgermeister der Stadt Köln Jürgen Roters (SPD) und der Bundesvorsitzenden der katholischen Jugend und des Deutschen Jugendrings Lisi Maier durfte ich einen Vormittag lang über die Entwicklung bürgerschaftlichen Engagements und die Reformnotwendigkeiten in Parteien und Verbänden diskutieren. Moderator Dr. Hubert Wissing führte in das Thema ein, erläuterte den Dachbegriff des bürgerschaftlichen Engagements und zeigte erste Trends auf, so sei das klassisch organisierte Ehrenamt rückläufig, kreative Formen der Partizipation nähmen jedoch zu.

Dass Kinder erst spät an das Konzept Mitbestimmung herangeführt werden, junge Menschen wie selbstverständlich von Ämtern und Positionen ferngehalten werden und die Strukturen in Politik und Verband nicht mehr zeitgemäß sind, kritisierte ich im Anschluss. Zahlreiche Reformen sind notwendig: Damit junge Menschen, die zum Studium, Auslandssemester oder Praktikum eine Stadt verlassen, nicht vom Ehrenamt abgeschnitten werden, muss sich die strikte Anwesenheitskultur in Partei und Verbänden verändern. Um effizient zu arbeiten, darf auf neue technologische Errungenschaften der Digitalisierung zurückgegriffen werden. Die Kommunikations- und Pressearbeit des 21. Jahrhunderts verdient neue Wege.

Bei aller Reformnotwendigkeit bei den Etablierten gilt jedoch: Ein Engagement ohne Mitgliedsausweis ist nicht weniger wert als Engagement mit Mitgliedsausweis. Zivilgesellschaftliche Initiativen und Kampagnen agieren als demokratisches Korrektiv, sie können Speerspitze gesellschaftlicher Willensbildung sein und das kommunizieren und verwirklichen, was innerhalb eines komplexen und langsamen Partei- und Verbandsapparates zum Scheitern verurteilt wäre.

Stärker ist, wer organisiert ist, ja, und doch: Man bräuchte keinen Verein, der Gehbehinderten über die Bahnhofstreppe hilft, wenn nur ein Jeder, der zufällig an der Bahnhofstreppe steht, Gehbehinderten hinüberhilft. Aufmerksam sein, empathisch sein, einander die Hand reichen und auch dann aufstehen, wenn man selbst nicht profitiert - dafür braucht man weder Partei noch Verband, weder Satzung noch Schriftführer.

Herzlichen Dank an den Kolping Diözesanverband Köln.

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